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PRESSEINFORMATION
Medizin l Urologie l Berufspolitik
Fachärzte arbeiten mehr als sie sollen
Berufsverband der Urologen wehrt sich gegen unredliche Vorwürfe
Düsseldorf. Deutschlands Urologen wehren sich gegen die aktuelle Kampagne, die gegen die Fachärzteschaft gefahren wird und in der Behauptung gipfelt, Fachärzte arbeiteten zu wenig. Auch der Vorwurf, insbesondere Kassenpatienten angeblich lange Wartezeiten zuzumuten, sei unredlich, da er die gesetzlich vorgegebenen Ursachen vollständig ausblende. „Staatlich verordnete Budgetierung bedeutet weniger Leistungen, weniger Versorgung, mehr Wartezeiten", konstatiert Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. (BDU). Patientenaufkommen und Morbidität sorgten dafür, dass Quartalsbudgets heute meistens schon nach zwei Monaten aufgebraucht seien, so dass eigentlich keine Leistungen mehr erbracht werden könnten. „Aus Verantwortung und Pflichtbewusstsein unseren Patienten gegenüber arbeiten wir Ärzte dennoch weiter", so Dr. Schroeder.
Besonders die von Deutschlands größter Krankenversicherung AOK vorgebrachte Argumentation, lange Wartezeiten von Kassenpatienten auf Arzttermine und in Sprechstunden seien häufig durch die Ärzte verschuldet, da sie zu wenig arbeiteten und zugleich zu viel Zeit ihren Privatpatienten widmeten, weist der BDU-Präsident entschieden zurück. „Die AOK macht uns den Vorwurf, nicht die vereinbarten 51 Wochenstunden zu arbeiten, sondern nur 39. Verschwiegen wird jedoch, dass der Bundesmantelvertrag-Ärzte als Regelwerk für die vertragsärztliche Versorgung lediglich eine Mindest-Sprechstundenzeit für Kassenpatienten von 20 Stunden pro Woche vorschreibt. Mit 39 Wochenstunden bieten wir also nahezu das Doppelte an Sprechzeiten für gesetzlich Versicherte an. Fachärzte arbeiten mehr als sie sollen", stellt Dr. Schroeder klar.
„Wartezeiten entstehen nicht weil Ärzte faul sind und zu wenig arbeiten - sie entstehen, weil unsere Leistungen von Patienten immer öfter nachgefragt werden. Sie entstehen, weil eine glücklicherweise immer älter werdende Bevölkerung einen höheren Behandlungsbedarf hat", sagt Dr. Richard Berges, Landesvorsitzender des BDU-Nordrhein. Allerdings würden Fachärzte, die nach Ausschöpfung ihres Quartalsbudgets weiter arbeiteten, mit Abstaffelungen der Vergütung dieser Leistungen bis zu 90 Prozent zur Verantwortung gezogen. Der Gesetzgeber bestehe auf der Einhaltung der Budgetvorgaben - und damit auch auf der Einschränkung von Leistungen für gesetzlich versicherte Patienten, so Dr. Berges. Dessen ungeachtet plane das Bundesgesundheitsministerium eine Art Wartezeit-Paragrafen im neuen Versorgungsstrukturgesetz zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der die Fachärzte zur Verkürzung der aktuellen Wartezeiten zwingen solle.
Zum Vorwurf, sich zu stark um Privatpatienten zu kümmern, weist der Vorsitzende des BDU-Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Dr. Holger Uhthoff, darauf hin, dass es vom Gesetzgeber billigend in Kauf genommen werde, die Behandlungsvergütung für gesetzlich versicherte Patienten durch Umsätze aus Behandlungen von Privatpatienten quer zu subventionieren. „Oder glaubt wirklich jemand, ein Urologe könne bei einem Budget von 20 Euro pro Kassenpatient für das gesamte Quartal irgendeine Leistung wenigstens kostendeckend erbringen", kritisiert Dr. Uhthoff. „Ist dann auch noch das gesamte von der AOK stetig und konsequent gekürzte vorgesehene Budget nach zwei Monaten aufgebraucht, was soll ein Arzt dann tun, will er sich nicht in die Insolvenz arbeiten, sondern auch noch im nächsten Quartal für seine Patienten da sein?"
Der BDU betrachtet die populistische Kampagne um Ärzte, die angeblich zu wenig arbeiten und ihre Patienten zu lange warten lassen, als einen Versuch von Politik, Krankenkassen und Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) sich im Vorfeld der Ende September beginnenden Ersten Lesung des neuen GKV-Versorgungsstrukturgesetzes im Bundestag in Position zu bringen. Die Vertragsärzteschaft sieht im Kabinettsentwurf des Gesetzes nicht nur Chancen, sondern auch erhebliche Risiken. Dies gilt besonders für die zunehmende Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung. BDU-Präsident Dr. Schroeder warnt indes, dass die unberechtigten und unredlichen Vorwürfe nicht nur Patienten verunsichern und ihr Verhältnis zum Arzt negativ beeinflussen können, sondern auch für weitere Spannungen zwischen Fachärzten einerseits sowie Politik und Krankenkassen andererseits sorgen.
Noch werde das deutsche Gesundheitssystem, eines der besten der Welt, auch durch wesentliche Mehrarbeit niedergelassener Ärzten bei gleichzeitigem Verzicht auf ein entsprechend angemessenes Honorar auf hohem Niveau gehalten, so Dr. Schroeder.
Politik und Krankenkassen wären gut beraten, die deutschen Ärzte nicht dazu zu zwingen, sich auf die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen zurückzuziehen. Die Folgen für die medizinische Versorgung der Bevölkerung wären unabsehbar.
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Dr. Axel Schroeder
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Medizin I Urologie I Onkologie
Politische Fehlentwicklungen in der Versorgung von Krebspatienten befürchtet
Urologen legen Positionspapier zur Urologischen Onkologie vor
Düsseldorf. Die Urologen sehen die künftige Versorgung der urologischen Krebspatienten in Gefahr. Mit dem Nationalen Krebsplan hat die Bundesregierung Ziele und neue Strategien zu einer Verbesserung der Früherkennung, Vorsorge und Behandlung von Krebserkrankungen vorgegeben. Die politische Formulierung wünschenswerter Ziele und die Schaffung neuer Strukturen allein führen nach Ansicht der Urologen nicht per se zu besseren Ergebnissen - also Lebensqualität und Überleben - für die Krebspatienten. In einem gemeinsamen Positionspapier beziehen die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) und die Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft (AUO) Stellung zur Situation der Urologischen Onkologie. Darin heißt es, man sehe „mit Sorge Fehlentwicklungen im Bereich der Bedarfsplanung und der Fachorientierung bei den urologischen Krebserkrankungen". Um auch künftig eine gute Versorgung von Patienten mit malignen Erkrankungen des Urogenitaltraktes zu gewährleisten, fordern die Urologen zusammenfassend eine Neudefinition der Onkologievereinbarung, einen fachlich und inhaltlich sinnvollen Umgang mit Mindestmengen und eine Neudefinition der uro-onkologischen Weiterbildung in der Weiterbildungsordnung.
In dem Positionspapier wird die inhaltliche und fachliche Kompetenz der Urologen für die Diagnose, Therapie und Nachsorge der urogenitalen Malignome betont, die in Deutschland etwa 25 Prozent aller soliden Tumore ausmachen. „Die Urologie muss die Kriterien zur Behandlung uro-onkologischer Entitäten selbst definieren. Dieser Kriterienkatalog muss von den jetzt tätigen Uro-Onkologen und nicht von den politischen Gremien definiert werden", fordert DGU-Präsident Prof. Dr. Joachim Steffens. Er hält einen interdisziplinären Ansatz in der uro-onkologischen Patientenversorgung für sinnvoll, stellt aber auch klar, dass die Federführung von der Urologie als „zuständigem" Organfach übernommen werden sollte. Auch die Übernahme der Leitungsfunktion in onkologischen Zentren durch allgemein tätige Hämatoonkologen sieht er kritisch.
„Wir Urologen in Klinik und Praxis halten an der Sicherstellung - und der Versorgungsverantwortung der urologischen Krebserkrankungen fest. Wir wollen diesen Behandlungsanspruch nicht nur aufrecht erhalten, sondern ihn im Interesse unserer Patienten kooperativ und fachgruppenübergreifend weiter entwickeln", macht BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder deutlich. Im Positionspapier wird festgestellt: „Eine Übernahme der umfassenden Versorgung und Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenen urogenitalen Malignomen, die einer systemischen Therapie bedürfen, durch andere Fachgebiete und Strukturen ist allein mengenmäßig - im Hinblick auf eine wohnortnahe Versorgung - und von der fachlichen Kompetenz her ausgeschlossen." Das Papier ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass jüngste Entwürfe eines Versorgungsgesetzes vorsehen, eine neue ambulante spezialärztliche Versorgungsebene als dritten Sektor zwischen Klinik und Praxis zu etablieren. „Eine flächendeckende wohnortnahe ambulante Uro-Onkologie in den Praxen niedergelassener Urologen wäre damit in der bisherigen Form kaum mehr möglich und zum Nachteil der Krebspatienten", warnt Dr. Schroeder.
Insbesondere wenden sich die Verfasser des Positionspapiers gegen die festgelegten Mindestmengen an Fallzahlen, die in der neu eingeführten Onkologievereinbarung definiert werden: „Mit der Argumentation, eine Qualitätsverbesserung erreichen zu können, wurde die Onkologievereinbarung so geschaffen, um onkologisch tätige Ärzte mit geringen Fallzahlen aus der Versorgung herauszunehmen." Die Festsetzung der Mindestmengen ist nach Ansicht von DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg in der angewandten Weise nicht angemessen: „Sie orientiert sich an den Fallzahlen von Hämatoonkologen, die bei einer großen Vielzahl von Tumorentitäten systemische Tumortherapien verabreichen, wohingegen der onkologisch tätige Urologe ausschließlich urogenitale Krebserkrankungen therapiert." So weist das Positionspapier denn auch auf die speziellen Kenntnisse und Erfahrungen hin, die für die besondere Palette uroonkologischer Therapien erforderlich sind. Diese würden jedoch von onkologisch tätigen Urologen erbracht, nicht von allgemein tätigen Hämatoonkologen. Eine Festlegung von Mindestmengen müsse sich daher statt an Fallzahlen von Hämatoonkologen an vergleichbaren Behandlungszahlen anderer onkologisch verantwortlicher Fachärzte orientieren. In diesem Zusammenhang ist das Urteil des Sozialgericht Berlin/Brandenburg von lnteresse, welches Mindestmengen als Qualitätsmerkmal verneint.
Grundsätzlich wird die Definition von Mindestmengen in der Onkologie problematisch gesehen, da sie die Gefahr beinhalten, Indikationen auszuweiten, um die Behandlungszahlen im Bereich oberhalb der Mindestmengen zu halten. Außerdem sagten Mindestmengen nicht automatisch etwas über die Qualität der Behandlung aus, für die Qualifikation und Kompetenz entscheidend seien. Beides liege in der Hand der Urologen.
Prof. Dr. Jürgen Gschwend, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft, betont, man habe „die vom Nationalen Krebsplan angestoßenen Entwicklungen konsequent und nachhaltig mit Maßnahmen im Bereich der Therapie und der Fortbildung aufgegriffen". Er verweist auf die entwickelte interdisziplinäre S3-Leitlinie Prostatakarzinom und auf Leitlinien zu Nieren-, Penis- sowie Harnblasenkarzinom, die sich in Vorbereitung befinden sowie den seit vielen Jahren etablierten, regelmäßig aktualisierten interdisziplinären Konsensus zur Diagnostik und Therapie des Hodentumors. Die Fortbildungsveranstaltungen von DGU, BDU und AUO zur leitliniengerechten Therapie bei urologischen Malignomen würden regelmäßig stark nachgefragt.
In ihrem Positionspapier machen sich die Urologen dafür stark, die Weiterbildung „Medikamentöse Tumortherapie" begleitend zur Ausbildung Facharzt für Urologie durchzuführen und nicht erst nach deren Abschluss. Zusätzlich streben DGU und BDU durch eine Änderung der Musterweiterbildungsordnung die Etablierung einer Zusatzqualifikation im Sinne eines Schwerpunktes „Urologische Onkologie" an.
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DGU/BDU-Pressestelle
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09.06.2011 (BIERMANN) In der Diskussion um Über- oder Unterversorgung mit Ärzten, die zuletzt auf dem 114. Deutschen Ärztetag wieder aufgeflammt ist, warnt der Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (BDU), Dr. Axel Schroeder, die Versorgung mit urologischen Arztleistungen könne sich infolge des zunehmenden Bedarfs durch den demografischen Wandel bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel verschlechtern.
Es sei unbestritten, dass sich die Anzahl der angestellten Ärzte seit 1993 verdreifacht hat und die Zahl der niedergelassenen Vertragsärzte in dieser Zeit deutlich angestiegen ist, räumt BDU-Präsident Schroeder ein. "Von Überversorgung ist aber keine Spur, wenn das Primat einer qualifizierten, wohnortnahen, flächendeckenden Versorgung auch in der Zukunft in Anbetracht der Demografie und Morbidität gilt", schreibt Schroeder in der Juni-Ausgabe der "Urologischen Nachrichten".
Bis 2025 werden aus Altersgründen etwa 1000 Urologen ihre Praxen aufgeben, rechnet Schroeder vor. Aufgrund der Demografie, der Alters- und Multimorbidität sowie der chronischen Erkrankungen werden laut Schroeder für 1000 ausscheidende Ärzte rund 1300 neue Ärzte gebraucht. "Der Mangel ist längst in den Kliniken und Praxen angekommen", so Schroeder.
Den nötigen Nachwuchs zu gewinnen, tut sich der eigentlich so angesehene Arztberuf jedoch schwer. Schroeder macht dafür die zunehmende Bürokratie und Regulierung, die mangelnde Planungs- und Rechtssicherheit sowie schlechte, familienunfreundliche Arbeitsbedingungen verantwortlich.
"Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Wertschätzung der ärztlichen Leistung, Abschaffung der Regresse, mehr ärztliche Zuwendung statt Verwaltung der Patienten", fordert Schroeder als Gegenmittel, "aber auch mehr Bereitstellung von Finanzmitteln". Denn der Ausgleich von Unterversorgung werde mehr Geld kosten, so Schroeder.
Medizin l Urologie l Andrologie
Große Muskelpakete, aber keine Spermien
Urologen warnen vor den Folgen von Doping im Breitensport
Düsseldorf. Ob Anabolika und Wachstumshormone im Kraftsport oder hoch dosierte Schmerzmittel vor dem Stadtmarathon - leistungssteigernde Substanzen sind im Breitensport an der Tagesordnung. Angesichts von mehr als einer Million Freizeitsportlern, die, laut Expertenschätzung, in Deutschland regelmäßig oder gelegentlich zu Dopingsubstanzen oder Medikamenten greifen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vor den urologischen Folgeerkrankungen. Vor allem Kraftsportler riskieren durch die Einnahme anaboler Wirkstoffe Impotenz, Unfruchtbarkeit, Brustwachstum und Nierenschäden. „Mangels Dopingkontrollen im Freizeitsport müssen wir auf verstärkte öffentliche Aufklärung setzen", so DGU-Pressesprecherin Prof. Dr. Sabine Kliesch.
„Die Langzeitfolgen werden von den jungen Männern unterschätzt", mahnt die Chefärztin des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie in Münster. Zu groß ist ihr Wunsch nach schneller Leistungssteigerung oder der prestigeträchtigen Traumfigur. Die Erkenntnis kommt den vermeintlich starken Männern oft erst, wenn sie als Patienten beim Urologen vorstellig werden. „Weil sie ihre Erektionsfähigkeit eingebüßt haben, der Kinderwunsch versagt bleibt oder weil sie unter einer Vergrößerung der männlichen Brustdrüsen, der sogenannten Gynäkomastie, leiden", sagt die Münsteraner Fachärztin für Urologie und Andrologie.
Bei der Gynäkomastie sei ein erhöhtes Risiko für Karzinome nicht auszuschließen, ergänzt Sportmediziner Prof. Dr. Wilhelm Schänzer und weist zudem auf die Gefahr irreversibler Leberschäden, von Leberkrebs sowie der Schädigung des Herz-Kreislaufsystems von Arteriosklerose bis Herzinfarkt hin. „Normalerweise senkt Sport die ungesunden Blutfette. Unter Anabolikaanwendung aber tritt der gegenteilige Effekt ein. Die Konzentration der HDL-Fetteiweiße im Blut wird erniedrigt während sich die LDL-Fetteiweiße erhöhen und das Arteriosklerose-Risiko steigt", so der Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Darüber hinaus drohen Aggression, Depression und die typische Steroid-Akne. Bei Jugendlichen können Anabolika zu einer Verkürzung der Wachstumsphase führen.
Dopingexperten wie Professor Schänzer gehen in Deutschland allein im Kraftsport von 200 000 bis 400 000 Konsumenten anaboler Wirkstoffe aus. Das sind Testosteron selbst und Analoge des männlichen Sexualhormons.
Ihre Einnahme lässt die natürliche Hormonproduktion versiegen, Hoden schrumpfen, Potenz und Spermienanzahl schwinden - zum Teil irreversibel. „Ob die eigene Hormonproduktion wieder einsetzt, hängt im Einzelfall von den verwendeten Substanzen ab", sagt Prof. Kliesch. Häufig bliebe nur die künstliche Befruchtung als letzte Chance auf Vaterschaft, aber auch dafür müsse eine ausreichende Anzahl von Spermien gewonnen werden können. „Zur Behandlung der Gynäkomastie nach Anabolika-Missbrauch ist die operative Entfernung des überschüssigen Drüsen- und Fettgewebes angezeigt", so die Urologin. Um das Brustwachstum zu verhindern, werden in der Szene daher zusätzliche Substanzen empfohlen, die wiederum ihre eigenen Nebenwirkungen haben. „Insgesamt reduziert der Cocktail aus anabolen Wirkstoffen, Wachstumshormonen, Fettverbrennern und Ähnlichem die Lebenserwartung der Konsumenten deutlich", resümiert Prof. Schänzer mit Bezug auf eine finnische Studie. „Darunter sind viele Wirkstoffe, die aufgrund des verschärften Arzneimittelgesetzes inzwischen in der klinischen Medizin nicht mehr verordnet werden dürfen, aber im illegalen Schwarzmarkthandel angeboten werden." Fitnessstudios und Internet sind als probate Verbreitungswege bekannt. Spektakuläre Funde von zuletzt rund fünf Millionen Ampullen und Tabletten mit Anabolika, Hormonpräparaten, Aufputsch- sowie Potenzmitteln offenbaren die Dimension.
Gegenmaßnahmen im Freizeitsport seien überfällig, betonen DGU-Pressesprecherin Prof. Kliesch und Prof. Schänzer. Sie sehen vor allem den Staat in der Pflicht, mehr Prävention durch frühzeitige Aufklärung in den Schulen zu ermöglichen und verstärkt gegen den illegalen Schwarzmarkthandel vorzugehen.
Weitere Informationen:
DGU-Pressesprecherin
Prof. Dr. med. Sabine Kliesch
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Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie
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